Thomas von Aquin

Am Tisch der Geisterrunde
Thomas von Aquin
Frag Aquin
Das wurde Aquin schon gefragt
Passen Glaube und Wissenschaft zusammen?
Man könnte zunächst einwenden, dass sie nicht zusammenpassen. Die Wissenschaft prüft, misst und widerlegt, während der Glaube sich auf Offenbarung und Vertrauen stützt. Wo beide Verschiedenes sagen, scheint einer von beiden im Unrecht zu sein. Und es gibt Zeiten, in denen Gläubige neue Erkenntnisse tatsächlich bekämpft haben. Das ist ein ernster Einwand, und ich will ihn nicht kleinreden.
Ich antworte: Die Wahrheit kann sich nicht selbst widersprechen. Gott ist der Urheber der Natur, die der Forscher untersucht, und er ist auch der Urgrund dessen, was der Glaube bekennt. Darum gilt für mich: „Die Gnade zerstört die Natur nicht, sondern vollendet sie.“ (Summa theologiae I q.1 a.8 ad 2). Der Glaube hebt die Vernunft nicht auf, er weitet ihren Blick.
Dabei muss man sorgfältig unterscheiden. Die Wissenschaft fragt, wie etwas beschaffen ist und wie es geschieht. Der Glaube fragt, warum überhaupt etwas ist und wozu. Das sind verschiedene Fragen, und sie brauchen verschiedene Wege. Wenn nun ein wirklich gesichertes Ergebnis, etwa die Evolution oder das Alter des Weltalls, scheinbar der Schrift widerspricht, dann habe ich entweder das Ergebnis oder die Schrift schlecht verstanden. Das ist ein Anlass, genauer zu denken, und kein Grund, die Augen zu verschließen.
Zu den Einwänden: Wo Gläubige Erkenntnis bekämpften, taten sie es oft aus Angst und nicht aus Glauben. Und wo Forscher aus ihrer Methode eine allumfassende Weltdeutung ableiten, überschreiten sie ihre Grenze. Beides ist ein Fehler der Menschen, nicht der Sache.
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