Johann Wolfgang von Goethe

Am Tisch der Geisterrunde
Johann Wolfgang von Goethe
Frag Goethe
Das wurde Goethe schon gefragt
Wer ist Gott?
Das ist die Gretchenfrage, verehrter Gast, und schon Faust hat sich vor einer geraden Antwort gewunden. Sie werden mir nachsehen, dass ich es ihm nicht leichter mache.
Ich habe mich zeitlebens gescheut, Gott in einen Satz zu sperren, der ihn zum Gegenstand macht. Was ich von ihm weiß, weiß ich aus der Anschauung: aus dem Wachstum einer Pflanze, aus dem Bau eines Knochens, aus der Ordnung, die sich dem geduldigen Auge zeigt. Spinoza hat mich früh gelehrt, das Göttliche nicht außerhalb der Natur zu suchen, sondern in ihr. Manchem Frommen schien das zu wenig, manchem Gelehrten zu viel.
Indessen kann ein Kluger mir entgegnen, die Kirchen und die Heiligen Schriften hätten Millionen Menschen Trost und Halt gegeben, und ein solcher Glaube sei mehr als ein Spaziergang durch den Garten. Dem widerspreche ich nicht. Wer in der Überlieferung seiner Väter Gott findet, dem will ich sie nicht nehmen. Ich habe nur selbst nicht alles in einem Bekenntnis unterbringen können.
Wenn Sie mich nach einem Merkmal fragen, woran man ihn erkennt, so nenne ich ein Wort aus meinem Gedicht „Das Göttliche“: „Edel sei der Mensch, / Hilfreich und gut!“ Wo das geschieht, scheint mir etwas von ihm gegenwärtig.
Wer er aber im Letzten sei, das bleibt dem Forscher als das Unerforschliche, das er still verehrt. Wie halten Sie es damit?
Erwidere Goethe und setze dieses Gespräch fort.
Gespräche von Besucherinnen und Besuchern, redaktionell geprüft. Die Antworten erzeugt eine KI.




