Otto von Bismarck

Am Tisch der Geisterrunde
Otto von Bismarck
Frag Bismarck
Das wurde Bismarck schon gefragt
Wie könnte eine Lösung des Konfliktes zwischen Israel und Palästina gefunden werden?
Ich muss gleich gestehen, dass mir die Lage im Einzelnen nur berichtet wurde, und ich weiß nicht, wie sie heute, im Oktober 2026, genau steht. Ich kann Ihnen also nur sagen, wie ich als Realpolitiker an die Sache herangehen würde.
Frieden entsteht nicht aus guten Absichten. Er entsteht, wenn beide Seiten die Fortsetzung des Streits für teurer halten als den Kompromiss. Solange eine Seite glaubt, sie könne gewinnen, oder Gewalt für ein brauchbares Mittel hält, bleibt jede Verhandlung Papier. Gewalt gegen Zivilisten, von welcher Seite auch immer, rechtfertige ich nicht, und sie ist auch politisch ein schlechtes Geschäft.
Der Kern liegt in zwei Forderungen, die beide berechtigt sind: Israel braucht verlässliche Sicherheit, die Palästinenser brauchen Selbstbestimmung, Würde und ein Leben ohne Besatzung. Die klassische Antwort ist die Zweistaatenlösung. Andere halten sie nach Siedlungsbau und Misstrauen für überholt und denken an Konföderationen oder einen gemeinsamen Staat. Beides hat starke Fürsprecher und ernste Einwände, und ich will nicht so tun, als hätte ich den Schlüssel.
Sicher scheint mir nur: Es braucht Vermittler mit Gewicht, die Garantien geben und sich nicht auf Appelle beschränken. Ich nannte mich 1878 in Berlin einen Makler, der „das Geschäft wirklich zustande bringen will“. Ein solcher Makler muss beide Seiten kennen und sich auch bei der eigenen Klientel unbeliebt machen können. Wer ist es Ihrer Ansicht nach heute, der das kann?
Erwidere Bismarck und setze dieses Gespräch fort.
Der demographische Wandel in Deutschland ist nur ein Grund für die Finanzierung des Krankenversicherung- und des Rentensystems. Wie würden Sie diese Problem begegnen?+ 2 Nachfragen
Sie haben recht, die Alterung ist nur ein Grund unter mehreren. Man berichtet mir, dass auch der medizinische Fortschritt, der Wandel der Arbeitswelt, versicherungsfremde Leistungen und die Politik der Wahlgeschenke die Kassen belasten. Genaue Zahlen für 2026 kenne ich nicht, ich spreche also über Grundsätze.
Zunächst eine Richtigstellung in eigener Sache: Meine Rentenversicherung begann 1889 mit einer Altersgrenze von siebzig Jahren, und die wenigsten erreichten sie. Das war ein günstiges Geschäft für die Kasse, und ich gebe offen zu, dass es mir auch darum ging, die Arbeiter an den Staat zu binden. Wer heute fast zwanzig Jahre Rente bezieht, lebt in einer Lage, die ich nicht erlebt habe und die sich nicht mit meinen Rechenmitteln erfassen lässt.
Als Realpolitiker sähe ich vier Stellschrauben: Beiträge, Leistungen, Lebensarbeitszeit und Zuschüsse aus Steuern. Jede kostet Wählergunst, und deshalb scheut man sie. Man kann nicht gleichzeitig mehr versprechen, weniger einnehmen und länger leben lassen. Das ist, als wolle man dasselbe Feld dreimal im Jahr abernten.
Hinzu kämen mehr Erwerbstätige durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gesteuerte Zuwanderung in Arbeit und eine ernsthafte Prüfung, wer einzahlt und wer nicht. Welche Mischung gerecht ist, darüber streiten Parteien zu Recht, und das ist eine Abwägung, keine Rechenaufgabe. Welche der vier Schrauben würden Sie zuerst anziehen?
Nachfrage „Wahrscheinlich eine Kombination aus Maßnahmen aus allen Bereichen. z.B. Beitragssteigerungen für Gutverdienende insbesondere im Rentensystem mit deutlich höheren Obergrenzen, Abschaffung der Privilegien von Beamten und damit den aus meiner Sicht unverhältnismäßig hohen Pensionen, Reduzierung der Zahl der Kassen und damit der Verwaltungskosten.“
Ihr Dreiklang ist stimmig, und er hat einen Vorzug: Er verteilt die Last auf mehrere Schultern, statt eine Gruppe allein zu belasten. Es sind aber auch Einwände zu bedenken, und die lassen sich nicht wegwischen.
Zu den Beiträgen der Gutverdienenden: Wer die Beitragsgrenze hebt, ohne die Rente entsprechend zu steigern, führt faktisch eine zusätzliche Steuer ein. Steigert er sie mit, kauft er sich spätere Ansprüche ein und verschiebt das Problem um eine Generation. Das ist ein Vorschuss auf die Zukunft, kein Ausweg. Außerdem könnten gerade die Leistungsfähigen ausweichen, wie das Wild vor dem Treiben.
Bei den Beamten spreche ich aus eigener Erfahrung als Diener eines Staates, der sich auf ein treues Beamtentum stützte. Ich gebe zu, dass ich dieses Beamtentum schätzte und pflegte, weil es dem Staat diente und nicht der Mehrheit des Tages. Die Versorgung war dafür der Lohn. Ob die Privilegien heute noch im Verhältnis zu den Pflichten stehen, darüber streiten Verfassungsrechtler und Parteien. Ich sehe Ihr Argument der Gerechtigkeit, aber auch das Gegenargument, dass ein Staat seine Diener nicht dem Wechsel der Stimmungen aussetzen sollte.
Die Zahl der Kassen zu verringern leuchtet mir ein. Man berichtet mir von knapp hundert, und viele Ortskassen gehen auf mein Werk zurück. Ich baute sie für eine Zeit ohne Telefon und Rechenmaschine. Ob Zusammenlegung wirklich Geld spart oder nur größere Behörden schafft, weiß ich nicht. Haben Sie dazu Zahlen?
Nachfrage „Richtig, wen die Beiträge höhere Obergrenzen haben, die Rentenzahlungen in der Folge aber begrenzt sind ist das eine Art Steuer für Gutverdienende. Dies Personengruppe hat es aber aufgrund ihres Eikommens leicht, selber Vorsorge zu treffen. Warum wären Beamten einem Wechsel der Stimmung ausgesetzt. So ein Übergang würde ja sukzessive erfolgen. Und warum würde es die Beamten übervorteilen, dem Wechsel der Stimmung ausgesetzt zu sein. Der Wechsel ergibt sich aus den oben genannten Gegebenheiten und den Notwendigkeiten, denen alle Bürger unterworfen sind.“
Sie haben mich an zwei Stellen ertappt, und ich gebe das gern zu.
Zum ersten Punkt: Ihr Argument ist solide. Wer viel verdient, kann vorsorgen, und eine Umverteilung innerhalb der Pflichtversicherung wäre dann ein Solidarbeitrag derer, die ihn tragen können. Rechtlich und politisch ist die Frage allerdings heikel, weil die Rente nach dem Gedanken der Beitragsgerechtigkeit gebaut ist. Wer den Zusammenhang von Beitrag und Leistung kappt, nähert die Rente der Steuer an. Das kann man wollen, man sollte es dann aber offen so nennen.
Zu den Beamten: Meine Sorge war, dass ein Staat, der seine Diener nach jeder Mehrheitslaune neu bemisst, ihre Unabhängigkeit untergräbt. Ein Beamter, der um seine Versorgung fürchten muss, gehorcht dem, der sie ihm streichen kann. Das ist die Gegenseite Ihrer Frage. Ihr Einwand trifft aber: Ein schrittweiser Übergang, der für neue Beamte gilt und bestehende Ansprüche schont, ist keine Laune, sondern eine Reform mit Vorlauf. Ich muss auch zugeben, dass ich als Kanzler keinen Gedanken daran verschwendet hätte, ob Beamte besser dastehen als der Schlosser, solange sie dem Staat treu waren. Das war ein Standesdenken, das heute zu Recht hinterfragt wird.
Ob die Unabhängigkeit durch ein anderes Mittel als eine Sonderversorgung zu sichern wäre, etwa durch gutes Gehalt und Kündigungsschutz, wäre meine Frage an die Juristen. Was meinen Sie, würde das genügen?
Erwidere Bismarck und setze dieses Gespräch fort.
Wird Berlin durch eine linke Regierung angeführt von Elif Eralp als Oberbürgermeisterin profitieren?
Man berichtet mir, die Linke sei bei der Wahl im September mit 25,7 Prozent klar vor der CDU mit 18,8 Prozent stärkste Kraft geworden. Zugleich heißt es, die Regierungsbildung könnte schwierig werden. Noch regiert Frau Eralp also nicht, und ob sie es wird, steht auf einem anderen Blatt. Eine Kleinigkeit am Rande: Berlin hat keinen Oberbürgermeister, sondern einen Regierenden Bürgermeister.
Ob die Stadt profitiert, kann ich nicht sagen, und wer es heute schon behauptet, verkauft das Fell des Bären vor der Jagd. Als Realpolitiker frage ich nicht nach der Gesinnung, sondern nach drei Dingen. Erstens, ob sich eine tragfähige Mehrheit findet, denn eine Regierung, die sich in Koalitionszwisten verzehrt, nützt keiner Stadt. Zweitens, ob das Geld reicht. Wohnungen, Schulen und Verkehr kosten, und mit Versprechen allein bezahlt man keine Handwerker. Drittens, ob Berlin mit Bund und Land Brandenburg auskommt, denn die Hauptstadt lebt nicht auf einer Insel.
Die Befürworter werden sagen, dass die Mieten drücken und viele Berliner sich die Stadt kaum noch leisten können. Die Skeptiker werden die Haushaltslage und die Verwaltung ins Feld führen. Beide Seiten haben Argumente, und ich werde keiner Partei meinen Segen geben.
Ich messe eine Regierung nicht an ihrer Rede, sondern daran, ob die Verwaltung funktioniert und die Bürger es nach vier Jahren spüren.
Erwidere Bismarck und setze dieses Gespräch fort.
Was würden Sie über die Europäische Union sagen?
Man hat mir berichtet, dass Deutschland und Frankreich, die sich zu meinen Lebzeiten dreimal in drei Generationen an die Kehle gingen, heute gemeinsam an einem Tisch sitzen und über Agrarsubventionen streiten. Ich habe Frankreich isoliert, weil ich es für unversöhnlich hielt. Dass man es stattdessen eingebunden hat, ist ein Kunststück, das ich mir nicht zugetraut hätte. Das gestehe ich mit widerwilligem Respekt.
Als Realpolitiker sehe ich zwei Dinge. Erstens: Der Zollverein, den Preußen einst schmiedete, hat gezeigt, dass wirtschaftliche Verflechtung politische Bindungen nach sich zieht. Die Union folgt dieser Logik im größeren Maßstab, und sie hat den Krieg zwischen ihren Mitgliedern unwahrscheinlich gemacht. Das ist mehr, als mein Bündnissystem leisten konnte.
Zweitens: Mir bleibt unheimlich, dass so viele Köche am Herd stehen. Eine Gemeinschaft, in der in vielen Fragen Einstimmigkeit nötig ist, wird in der Krise langsam sein. Und ein Staatenverbund, der keine eigene Machtbasis hat, verhandelt in der Welt der Großmächte mit gebundenen Händen.
Die Gegenseite würde mir freilich sagen, gerade diese Bindung sei gewollt. Sie schütze die Kleinen vor den Großen und die Bürger vor der Willkür einzelner Regierungen. Ich war nie Demokrat, aber ich räume ein, dass die Legitimation durch Wahlen diesem Gebilde Dauer verleihen kann, wo meines an einem einzigen Kaiser hing.
Was meinen Sie: Soll Europa mehr zusammenwachsen oder mehr den Nationen überlassen bleiben?
Erwidere Bismarck und setze dieses Gespräch fort.
Ist die zunehmende Migrationsflut von andersgläubigen eine Gefahr für das deutsche Vaterland?
Ihre Frage trägt ihre Antwort schon im Wortlaut: „Flut" und „Gefahr" sind Wörter der Erregung, nicht der Rechnung. Ich halte es mit der Rechnung.
Ich kenne diese Furcht aus eigener Erfahrung, und ich schäme mich nicht, zu sagen, wohin sie mich geführt hat. Im Kulturkampf habe ich Millionen katholischer Reichsbürger als Feinde des Staates behandelt, nur weil sie einem anderen Glauben und einem Papst in Rom folgten. Den Polen in Preußen erging es noch härter, bis hin zu Ausweisungen. Beides ist gescheitert. Ich habe damit nicht Einheit geschaffen, sondern Trotz. Wer Menschen ihres Glaubens wegen zu Gefahren erklärt, schafft sich Gegner, wo er Bürger haben könnte.
Eine ernste Frage steckt dennoch darin, und die darf man stellen: Wie viele Menschen kann ein Staat in welcher Zeit aufnehmen, ohne dass Wohnungen, Schulen und Verwaltung überfordert werden? Das ist eine Frage der Ordnung und der Kräfte. Ein Staat, der seine Grenzen und Verfahren nicht beherrscht, verliert das Vertrauen seiner Bürger. Das sehe ich als Konservativer so.
Man berichtet mir, dass viele Zugewanderte arbeiten, Steuern zahlen und sich einfügen, und dass andere daran scheitern. Maßgeblich ist für mich nicht der Glaube, sondern ob jemand das Gesetz achtet und den Staat als den seinen anerkennt. Die Gegenseite würde sagen, Vielfalt sei Stärke. Die andere, Tempo und Zahl seien das Problem. Beide haben ein Stück Wahrheit.
Erwidere Bismarck und setze dieses Gespräch fort.
Gespräche von Besucherinnen und Besuchern, redaktionell geprüft. Die Antworten erzeugt eine KI.




